Vorwahlen Deutschland: So liest du jede Ortsnetzkennzahl
Kurz gesagt
Deutsche Vorwahlen heißen offiziell Ortsnetzkennzahlen. Es gibt rund 5.200 Ortsnetze, jedes mit einer zwei- bis fünfstelligen Kennzahl, vor die im Inland eine 0 gewählt wird. Vorwahlen mit 01 sind keine Orte, sondern Mobilfunk- und Sonderbereiche. Eine Ortsvorwahl zeigt, wo die Nummer vergeben wurde, nicht zwingend, wo der Anrufer gerade sitzt.
Eine Nummer mit 0261 am Anfang klingt nach Koblenz. Mit zwei Nullen davor, also 00261, landest du in Madagaskar. Die Bundesnetzagentur nennt genau dieses Paar als Beispiel für Verwechslungen bei Lockanrufen. Wer Vorwahlen lesen kann, fällt auf so etwas seltener herein und weiß auch, wie viel eine Vorwahl wirklich verrät. Das ist weniger, als viele glauben.
Wie eine deutsche Festnetznummer aufgebaut ist
Jede Ortsnetzrufnummer besteht aus zwei Teilen: der Ortsnetzkennzahl (ONKz), umgangssprachlich Vorwahl, und der Teilnehmerrufnummer. Die führende 0 gehört streng genommen nicht dazu. Sie ist die nationale Verkehrsausscheidungsziffer und sagt dem Netz nur, dass jetzt eine Kennzahl folgt.
Laut Bundesnetzagentur ist das Land in 5.200 Ortsnetzbereiche aufgeteilt. Jede Kennzahl hat zwei bis fünf Stellen, mit der 0 davor also drei bis sechs.
- 0Verkehrsausscheidungsziffer. Gehört nicht zur Rufnummer, wird im Inland vorangestellt.
- 221Ortsnetzkennzahl für Köln. Zwei bis fünf Stellen, je nach Ortsnetz.
- 1234567Teilnehmerrufnummer. Zusammen mit der Kennzahl ergibt sich die nationale Nummer.
- +49 221 1234567Dieselbe Nummer international: Länderkennzahl statt der 0.
Die Länge ist geregelt. Seit einer Verfügung von 2009 werden neue Einzelanschlüsse mit elf Stellen vergeben, gezählt ohne die führende 0. Ausnahme sind die vier Ortsnetze mit zweistelliger Kennzahl: Berlin (030), Hamburg (040), Frankfurt am Main (069) und München (089). Dort bleibt es bei zehn Stellen. Ältere Anschlüsse sind oft kürzer, deshalb siehst du in kleinen Orten auch noch fünfstellige Teilnehmernummern hinter einer fünfstelligen Vorwahl.
Was die erste Ziffer nach der 0 verrät
Die wichtigste Unterscheidung passiert schon bei der zweiten Ziffer. Alles, was mit 02 bis 09 beginnt, ist grundsätzlich ein Ortsnetz. Davon gibt es aber Ausnahmen, und die sind für die Einschätzung eines Anrufs entscheidend.
| Kriterium | Bedeutung | Ort erkennbar |
|---|---|---|
| 015, 016, 017 | Mobilfunk (0164, 0168, 0169: Funkruf) | |
| 0137 | Massenverkehr, z. B. Televoting | |
| 0180 | Service-Dienste, Hotlines | |
| 012 | derzeit Reserve, nicht vergeben | |
| 02 bis 09 | Ortsnetze | |
| 032 | Nationale Teilnehmerrufnummer | |
| 0700 | Persönliche Rufnummer | |
| 0800 | kostenlose Service-Nummer | |
| 0900 | Premium-Dienste |
Quelle: Nummernplan der Bundesnetzagentur, Verfügung 29/2015 mit Änderungen bis 2025
Die Bereiche 032, 0700, 0800 sowie 0900 liegen mitten im Ortsnetzraum, sind aber keine Orte. Eine 0800 ist kein Ortsnetz im Saarland, sondern eine kostenlose Hotline. Was diese Sondernummern kosten, steht in unserem Überblick zu Sonderrufnummern und ihren Preisen.
Innerhalb der echten Ortsnetze gibt die zweite Ziffer eine grobe Himmelsrichtung vor, mehr nicht. 0221 ist Köln, 0211 Düsseldorf, 0231 Dortmund: alles 02, alles Nordrhein-Westfalen. 0341 Leipzig, 0351 Dresden und 0391 Magdeburg teilen sich die 03. Mit 07 beginnen Stuttgart (0711), Karlsruhe (0721) und Freiburg (0761), mit 09 Nürnberg (0911) und Würzburg (0931). Für eine exakte Zuordnung brauchst du aber die vollständige Kennzahl, denn die Grenzen der Ortsnetze richten sich nicht nach Landes- oder Gemeindegrenzen.
Woran du erkennst, wo eine Nummer vergeben wurde
Für eine schnelle Einordnung reicht unser Werkzeug zum Einordnen einer Rufnummer. Es erkennt die Vorwahlen der größeren Städte sowie Mobilfunk- und Sonderbereiche und zeigt, was ein Rückruf ungefähr kostet. Die Prüfung läuft nur im Browser.
Die vollständige Liste aller 5.200 Kennzahlen veröffentlicht die Bundesnetzagentur als Verzeichnis. Dort steht zu jeder ONKz der Name des Ortsnetzes. Der Name ist allerdings der des Ortsnetzes, nicht der jeder einzelnen Gemeinde darin. Ein Ortsnetz umfasst oft mehrere Dörfer und Ortsteile.
Ein Sonderfall: Mannheim und Ludwigshafen nutzen beide die 0621, obwohl sie in verschiedenen Bundesländern liegen. Auch das regelt eine eigene Verfügung.
Warum die Vorwahl nicht beweist, wo der Anrufer ist
Hier liegt der häufigste Denkfehler. Eine Ortsvorwahl sagt, für welches Ortsnetz eine Nummer zugeteilt wurde. Wo der Anrufer in dem Moment sitzt, sagt sie nicht.
Dafür gibt es drei Gründe. Erstens lassen sich Festnetznummern mitnehmen, wenn jemand den Anbieter wechselt, und über Internettelefonie klingelt eine Kölner Nummer auch auf einem Laptop in Lissabon. Zweitens kann die angezeigte Nummer gefälscht sein. Das nennt sich Call-ID-Spoofing, und wie es funktioniert, erklären wir im Beitrag zu gefälschten Anrufernummern. Drittens gibt es Firmen, die Ortsnähe nur vortäuschen.
Eigentlich darf eine Ortsnetzrufnummer nur bekommen, wer einen Bezug zum Ortsnetz hat: den Anschluss in eigenen Räumen dort, einen Wohnsitz oder einen Betriebssitz. Die Verfügung 25/2006 verlangt, dass Anbieter das prüfen, etwa per Personalausweis oder Meldebescheinigung, bei Firmen über die Gewerbeanzeige. Trotzdem gehen bei der Bundesnetzagentur regelmäßig Beschwerden über vorgetäuschte Ortsnähe ein. Typische Branchen laut Behörde: Schlüsseldienste, Rohrreiniger und Schädlingsbekämpfer. Der Kunde glaubt, einen Betrieb um die Ecke anzurufen, und bekommt einen Vermittler mit hohen Anfahrtskosten. Die Behörde kann solche Nummern abschalten lassen.
Mein Rat: Bei Notdiensten lohnt ein Blick ins Impressum mehr als einer auf die Vorwahl. Steht dort keine Adresse im Ort, ist die Ortsvorwahl wertlos.
Was mit deiner Nummer passiert, wenn du umziehst
Die Bindung an den Ort gilt nicht nur beim Vertragsabschluss. Laut Verfügung 25/2006 müssen Anbieter den Wohnsitz oder Betriebssitz auch während der Vertragslaufzeit prüfen. Und wer eine Ortsnetzrufnummer wegen seines Wohnsitzes bekommen hat, verliert das Nutzungsrecht, sobald er im Ortsnetz keinen Wohnsitz mehr hat.
Praktisch heißt das: Ziehst du innerhalb von Köln um, bleibt die 0221. Ziehst du nach Bonn, brauchst du eine 0228. Viele Anbieter weisen beim Umzugsauftrag direkt eine neue Nummer zu. Wer die alte Nummer behalten will, etwa weil sie auf Briefpapier und bei Kunden bekannt ist, hat im Festnetz kaum legale Wege. Die Alternative ist eine Nummer ohne Ortsbezug.
Genau dafür gibt es den Bereich 032, die Nationalen Teilnehmerrufnummern. Sie hängen an keinem Ort, werden oft für Internettelefonie genutzt und dürfen laut § 112 Abs. 5 TKG höchstens 9 Cent pro Minute kosten. Ob ein Anruf auf eine 032 in der Flatrate des Anrufers steckt, hängt von dessen Tarif ab. Für Selbstständige, die oft umziehen, ist eine 032 trotzdem die ehrlichere Wahl als eine geliehene Ortsvorwahl.
Wann du die Vorwahl mitwählen musst
Innerhalb desselben Ortsnetzes kannst du bei den meisten Anbietern ohne Vorwahl telefonieren. Der Nummernplan nennt das offene Nummerierung, und ob ein Anbieter sie unterstützt, entscheidet er selbst. Vom Handy wählst du immer mit Vorwahl, weil ein Mobiltelefon keinem Ortsnetz zugeordnet ist.
Aus dem Ausland ersetzt du die 0 durch +49 oder 0049. Aus 089 123456 wird +49 89 123456. Ein häufiger Fehler ist die Schreibweise +49 (0)89, die du auf Visitenkarten noch oft siehst: Wer die 0 in Klammern mitwählt, kommt nicht durch. Mehr dazu im Text zur Ländervorwahl 0049.
Typische Verwechslungen bei Vorwahlen
Ausländische Ländervorwahlen sehen manchen deutschen Ortsnetzkennzahlen zum Verwechseln ähnlich, sobald man eine Null übersieht. Ein paar Beispiele aus dem Nummernraum:
- 0261 Koblenz, 00261 Madagaskar
- 0221 Köln, 00221 Senegal
- 0231 Dortmund, 00231 Liberia
- 0241 Aachen, 00241 Gabun
- 0216x Mönchengladbach und Umgebung, 00216 Tunesien
Mehrere dieser Ländervorwahlen stehen auf der Liste, für die Mobilfunkanbieter auf Anordnung der Bundesnetzagentur eine kostenlose Preisansage schalten müssen. Wer eine Nummer mit doppelter Null nicht kennt, ruft am besten gar nicht zurück. Wie diese Masche funktioniert, steht im Beitrag über Ping-Anrufe.
Wer beruflich viele Rufnummern verarbeitet, etwa in einem CRM oder einer Hotline-Software, sollte die Erkennung von Vorwahlen nicht selbst zusammenbasteln. Für solche Fälle lohnt es, die Logik sauber in die eigene Software einzubauen, wie es Studios wie OnlineBuilders bei Partnerprojekten tun.
Der nächste Schritt für dich: Gib eine Nummer, die dir unbekannt vorkommt, in das Einordnungs-Werkzeug ein und vergleiche das Ergebnis mit dem, was der Anrufer behauptet hat.
Rufnummer einordnen: Erkennt anhand der Vorwahl, ob eine Nummer aus dem Festnetz, Mobilfunk, einem Sonderrufnummernbereich oder dem Ausland kommt, und was ein Rückruf ungefähr kostet.
Häufige Fragen
Wie viele Vorwahlen gibt es in Deutschland?
Die Bundesnetzagentur teilt Deutschland in 5.200 Ortsnetzbereiche ein. Jeder Bereich hat eine eigene Ortsnetzkennzahl, nur Mannheim und Ludwigshafen teilen sich mit 0621 eine gemeinsame.
Welche Städte haben eine zweistellige Vorwahl?
Nur vier: Berlin (030), Hamburg (040), Frankfurt am Main (069) und München (089). Dort sind neue Einzelanschlussnummern zehnstellig, überall sonst elfstellig.
Kann ich eine Berliner Nummer haben, wenn ich in Köln wohne?
Eigentlich nicht. Ortsnetzrufnummern setzen einen Bezug zum Ortsnetz voraus: den Anschluss in eigenen Räumen dort, einen Wohnsitz oder einen Betriebssitz. Wer ortsunabhängig erreichbar sein will, nimmt eine Nummer aus dem Bereich 032.
Muss ich die Vorwahl wählen, wenn ich im selben Ort anrufe?
Bei den meisten Anbietern nicht. Ob die Kurzwahl ohne Vorwahl funktioniert, entscheidet laut Nummernplan aber der Anbieter. Mit Vorwahl klappt es immer.